Das Warum dieser Initiative:
• Weil es weltweit viele Rotarier gibt, die sich für alte Bücher und
Drucke interessieren.
• Weil unser Distrikt wie ganz Italien ein überreiches und einzig
artiges Kulturerbe besitzt, das es zu schützen und bekannt zu
machen gilt.
• Weil die heutigen Informationsmittel den Zugang zu Kulturgütern ermöglichen, die früher nur schwer zugänglich waren.
Vor allem aber
• Weil die Kultur eine ständige Möglichkeit bietet, in einen harmonischen Dialog mit den vielen Realitäten unserer Welt und
unserer Gesellschaft zu treten.
• Weil das kulturelle Wachstum der Menschen ebenso wichtig ist
wie das wirtschaftliche und soziale.
Von diesem Projekt erhoffen wir Folgendes: dass es die Kenntnisse über und die Liebe zum alten Buch verbreitet, dass es einen Informationsaustausch unter den bibliophilen Rotariern (dazu gehört zu unserer großen Freude auch der derzeitige Präsident des
Rotary International Bill Boyd, der kürzlich erklärt hat, dass er einer Familie von Bibliophilen angehört) einleitet, dass mit den derzeit zur Verfügung stehenden Informationsmitteln der sprichwörtliche Widerwille der Bibliophilen, Bücher auszuleihen, überwunden wird. Dieser Widerwille wird in dem Ausspruch des mittelalterlichen Bücherfreundes gut wiedergegeben:
Librum meum non prestabo, si praestabo non habebo, si ha-
bebo non tam cito, si tam cito non tam bonum, si tam bonum
perdo amicum: ergo nolo praestare librum.
Unsere Hoffnung ist von den positiven Reaktionen, die uns bereits von
vielen Seiten signalisiert worden sind, bestätigt worden, und wir sind
sicher, dass sie sich in der Zukunft konkret weiterentwickeln wird.
Enrico Pedini Pietro Lorenzotti
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Die Rolle der Kultur im Rotary
und in der Entwicklung der Gesellschaft
“Es ist Aufgabe der Kultur, neue Ideen und Bedürfnis zu wecken,
die weniger materiell sind, eine Klasse von Bürgern zu formen,
die kultivierter und ziviler ist, sie mit fremden Kulturen in Berührung zu bringen, die Sprachen untereinander anzunähern,
indem man nicht das Lokale sondern das Gemeinsame zu entwickeln sucht” (De Sanctis).
Mit diesen eindringlichen Worten wird meiner Meinung nach die Rolle der Kultur in kondensierter Weise ausgedrückt. Die Person, die das
Leben als Herausforderung und folglich als Verantwortung betrachtet,
kann darin die ihr angemessene Nahrung finden.
Die neuesten anthropologischen Untersuchungen verstehen unter dem
Begriff „Kultur“ im allgemeinen den Komplex von Erfahrungen, Kenntnissen, Wertesystemen, Lebensauffassungen, Verhaltensweisen, mittels
derer der Mensch seine geistigen Qualitäten und körperlichen Gaben
verfeinert und zum Ausdruck bringt, die Natur seinem eigenen Wollen
dienstbar zu machen sucht, indem er ihre Gesetze erklärt und durch
seine Arbeit ihr Aussehen verändert. Er bemüht sich, mit Hilfe des sittlichen und institutionellen Fortschritts das soziale Leben, sowohl in der
Familie als auch in der Gesellschaft, annehmbarer zu machen.
Vom historischen Standpunkt aus dagegen vermittelt und bewahrt die
Kultur in ihren Werken die großen geistigen Erfahrungen und Erwartungen, damit sie dem Fortschritt der gesamten Menschheit dienlich
sein mögen.
In diesem Sinne ist die Kultur das gemeinsame Gut eines jeden Volkes, spiegelt sie doch dessen Unternehmungsgeist, Kreativität, technische und praktische Fertigkeiten wider und verkörpert damit die
Gründe, derentwegen es im langen Verlaufe der Zeit Achtung und verdientes Ansehen erlangt hat. Deshalb ist es schwer, wenn nicht sogar
unmöglich, sich vorzustellen, dass die Kultur als charakteristisches
Produkt der menschlichen Intelligenz und des menschlichen Willens
sowie Ausdruck seiner Identität einen Faktor darstellen kann, der für
ihn Zwang, Unterordnung und Hindernis im Wachstum und im Fortschritt bedeutet. Die Kultur kann uns muss die Basis sein, auf die sich
der wahre moralische und zivile Fortschritt eines Volkes stützt. Statt
fortzuschreiten, wie es wünschenswert gewesen wäre und wie man
es logischerweise erwartet hätte, hat die Kultur im vergangenen 20.
Jahrhundert lange Perioden der tiefsten Verwirrung durchgemacht
und fand sich bisweilen in eine nebensächliche oder untergeordnete
Rolle verbannt. In dem, was man aus gutem Grund eine Kulturkrise
nennen kann, haben einige historische Umstände, die dieses Jahrhundert charakterisiert haben, eine entscheidende Rolle gespielt.
In der Welt und in unserem Land machen sich Unsicherheit, Furcht,
Misstrauen und Sorge um die Zukunft breit. Aber wenn wir den Willen, die Kraft und den Mut haben, der Kultur wieder Leben und Stimme zu geben, werden Gründe zur Hoffnung nicht ausbleiben.
Um dieses verbreitete Gefühl der Verwirrung zu zerstreuen, müssen
vor allem wir Rotarier die größtmögliche Verantwortung gegenüber
der Gemeinschaft, gegenüber der Umwelt und gegenüber jedem einzelnen Menschen übernehmen.
Diese Pflicht zu übernehmen, ist die unerlässliche Voraussetzung, um
zu zeigen, dass man in den Taten den Wert erkennt, der grundlegender Bestandteil des Lebens ist, der Umwelt, der Brüderschaft, kurz
des Menschen als einer Person, die transzendentale Ziele hat.
Humanismus und Kultur geben uns nicht nur unsere menschliche
Würde zurück, sie geben uns auch Beispiele für gerechte politische,
wirtschaftliche und gesellschaftliche Entscheidungen. Die Kultur gibt
auch den alltäglichen Angelegenheiten, privaten wie öffentlichen,
einen Sinn. Damit gibt sie einen Hoffnungsschimmer, sowohl für die
Gegenwart als auch für die Zukunft.
Deshalb sei die zuvor so verunglimpfte, vergessene und für oft niederträchtige Ziele missbrauchte Kultur erneut willkommen!
Sie wird uns Stoff für Diskussionen liefern, für Überlegungen, für das
Überprüfen von Problemen, die alle interessieren, die aber andernfalls in
der Hand von wenigen oder, noch schlimmer, ungelöst geblieben wären.
Wir brauchen heute eindeutige und überprüfbare Bezugspunkte.
Wir müssen zur Wahrheit zurückkehren, zu einer freien Kultur, die
nicht von ideologischen Zwängen bedingt ist, nicht der Staatsraison
oder Parteiinteressen unterworfen ist, wie es in den schlimmsten Diktaturen geschieht.
Die Kultur wird das wirksamste Mittel sein, um aus den Trümmern,
vor allem den moralischen Trümmern unseres Landes wieder aufzusteigen und wieder eine Nation zu sein.
“In der Vergangenheit gemeinsamen Ruhm gehabt zu haben, in der
Gegenwart einen gemeinsamen Willen. Gemeinsam Großes geleistet zu haben und es weiterhin tun wollen: das sind die wesentlichen Bedingungen, um eine Nation zu sein. In Bezug auf die Vergangenheit ein Erbe reich an Ruhm und Reue, für die Zukunft ein
gemeinsames Programm, das es zu verwirklichen gilt. Die Existenz einer Nation ist eine tägliches Volksabstimmung” (Renan)
Vor einiger Zeit hatte ich ein Telefongespräch mit Professor Tristano Bolelli, dem Gründer und lange Zeit Präsidenten der internationalen Auszeichnung „Galileo Galilei“. Er erinnerte mich daran, dass das
wichtigste Verbreitungsmittel für die Kultur das Wort ist. Die Stimme
ist es, durch die sich einige der großen Musen ausdrücken.
Wem das Herz voll ist, dem geht der Mund über, denn wir wissen alle, dass
Professor Bolelli ein berühmter und großer Sprachwissenschaftler war.
Ich gebe zu, auch ich bin zutiefst überzeugt, dass der Sprache eine
grundlegende Bedeutung zukommt. Es ist kein Zufall, dass eines der
Hauptanliegen des Rotary seit seiner Gründung die Verbreitung der
Wissenschaft, der Kultur und der Information ist.
Als Erben von Paul Harris teilen wir voll und ganz diese Sorge, mehr
noch, wir erneuern die Verpflichtung, denn wir sind fest überzeugt,
dass Wissen und Kennen Verstehen bedeutet, und das Verstehen wiederum führt zum Respekt und zur Freundschaft, den edelsten Idealen des Rotary.
Um die Rolle des Verstandes, der Wissenschaft und der Kultur zu
unterstreichen, hat der Rotary Italien die internationale Auszeichnung „Galileo Galilei“ gestiftet. Der Preis gewinnt von Jahr zu Jahr
mehr Ansehen und Bedeutung und wird in gewisser Weise als der italienische Nobelpreis betrachtet.
Unser Distrikt ist stolz darauf, kürzlich das Programm der Rotary Fellowship (Old an Rare Books and Prints) (seltene alte Drucke und
Bücher) verabschiedet zu haben. Dabei handelt es sich um eine soziale und kulturelle Initiative, durch die weltweit Freundschaften und
Informationsaustausch zwischen Rotariern gefördert werden sollen,
die die Liebe zu alten Büchern und Drucken teilen.
Ich weiß, dass sich unter den gebildeteren und aufmerksameren Personen nach und nach ein Umdenken verbreitet, eine gewisse Tendenz, zu einem ausgeglicheneren Verhältnis zwischen Materie und
Geist zurückzukehren.
Wenn diese Auffassung richtig ist, dann haben wir Rotarier die Aufgabe, sie konkret umzusetzen, indem wir konkrete Kultur- und Bildungsprogramme studieren und zur Ausführung bringen. Sie sollten
alle Gebiete umfassen und sich an alle wenden, besonders aber an die
jungen Leute, denn sie sind unsere Zukunft.
Enzo Cossu
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Alte und seltene Drucke und Bücher
Ich möchte meine Ausführungen über alte Bücher mit dieser einfachen Feststellung einleiten: „Wir wären nicht das, was wir sind,
wenn die, die vor uns gelebt haben, nicht das Mittel gehabt hätten, uns die Kenntnis von dem zu vermitteln, was sie gewesen
sind!“
Alle Generationen haben Spuren auf dieser Erde hinterlassen, auch
die zeitlich entferntesten. Die Menschen der Vorzeit waren Menschen
wie wir, mit einer komplexen Innerlichkeit. Sie haben jedoch dieses
menschliche Erbe mit ins Grab genommen, da sie die Schrift nicht
kannten und es somit nicht auf dauerhafte Weise weitergeben konnten. Die Schrift stellt eine Grenzlinie innerhalb der Geschichte dar,
genauer zwischen der dokumentierten Geschichte und der Vorgeschichte.
Lang und zum Teil noch immer nicht endgültig erhellt ist der Weg,
der zur Entwicklung der Schrift führte: es hat vielleicht damit begonnen, dass man auf immer abstraktere Weise die konkrete Welt und
die mit ihr verbundenen Begriffe dargestellt hat, durch Piktogramme und Ideogramme, so wie im Alten Ägypten und heute noch im
Fernen Osten. Die so erarbeiteten Zeichen haben mit der Zeit wahrscheinlich einen phonetischen und nicht begrifflichen Wert angenommen und sich im Mittelmeerraum zu alphabetischen Zeichen entwickelt, durch deren Zusammensetzung man die Möglichkeit hatte, eine
unendlich große Zahl von Wörtern zu bilden, entsprechend den zahlreichen Bedürfnissen des konkreten Lebens. Es ist kein Zufall, dass
die „Erfindung“ der Schrift den Phöniziern zugeschrieben wird, einem
Volk, das vom Handel lebte. Neben der dauerhaften Weitergabe des
Gedankens, des Alphabets, musste man aber auch ein festes Material
finden, beziehungsweise das, was man häufig als „Schreib-werkzeug“
bezeichnet. Die Natur lieferte Steine, hinzu kamen die Metalle. In der
ersten Zeit benutzte man die inneren Schichten der Baumrinden, die
auf Lateinisch „liber“ heißen. Es war aber zweifellos der ägyptische
Papyrus, der sich dauerhaft als Schreibmaterial durchsetzte. Das lag
unter anderem auch an der großen Geschmeidigkeit und Festigkeit,
die diese Streifen, geflochten aus den Stängeln der an den Ufern des
Nils üppig wachsenden Pflanze, boten. Sie konnten leicht um einen
Zylinder gerollt werden. Dadurch formten sie eine Rolle, „volumen“
genannt, nach dem lateinischen Wort „volvere“, das rollen bedeutet.
Die intensive Nutzung der Papyruspflanzungen und die Schwierigkeit, Nachschub zu beschaffen, förderte die Verbreitung eines anderen Schreibmaterials, das schon vor Jahrhunderten in der Stadt Pergamon erfunden worden war: das Pergament. Es bestand aus der Haut
junger Tiere (Schaf, Ziege, Kalb), die entsprechend bearbeitet, geglättet und in Blätter geschnitten wurde. Zusammengenäht sahen sie aus
wie eine Reihe von Seiten und wiesen auf diese Weise schon auf die
Form des modernen Buches hin. Ein Tier lieferte das Material für
etwa vier Pergamentblätter. Um die Bibel abzuschreiben, musste man
folglich eine ganze Herde opfern. Das erklärt auch, warum das Buch
ein äußerst seltener und kostbarer Gegenstand war und warum es
während des ganzen Mittelalters überwiegend in Klöstern hergestellt
wurde, verfügten diese doch über Viehherden im Überfluss.
Da das Buch ein so seltener und kostbarer Gegenstand war, wurde
es durch farbigen Schmuck von hohem künstlerischem Niveau verschönert. So entwickelte sich die Kunst der Buchmalerei, die Jahrhunderte lang in den mittelalterlichen Schreibstuben gepflegt wurde. Mehr noch, nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches
war die Buchmalerei die einzige Form der Malerei, die im Abendland
gepflegt wurde.
Die Arbeitsbedingungen in den klösterlichen Schreibstuben mussten äußerst beschwerlich gewesen sein. Eisige Kälte im Winter, drückende Hitze im Sommer, hohe Schreibpulte und harte Bänke, fehlende Vergrößerungsgeräte und die Notwendigkeit, die erforderlichen
Arbeitsmittel selbst herzustellen - Farben aus Pflanzen und Blumen,
Tinte mit dem Ruß aus den Kaminen, aber auch Gold und Silber, Pinsel aus dem Haar enthäuteter Tiere und zum Schreiben Federkiele
von Vögeln – unterwarfen die Schreiber einer harten Disziplin, der
wir allerdings das Hervorbringen der größten Meisterleistungen verdanken.
Jahrhunderte lang verlief der Buchbetrieb nach diesem Muster, bis
sich in der Mitte des 15. Jahrhunderts etwas ereignete, was das Schicksal der Menschheit verändern sollte: die Einführung des Buchdrucks
durch Johannes Gutenberg. In der Weinregion um Mainz wurden seit
Jahrhunderten Pressen benutzt: die Weinpresse zum Auspressen der
Trauben, die Wäschepresse zum Trockenpressen der Wäsche. Gutenberg ahnte die Möglichkeit eines völlig neuen Gebrauchs, im Zusammenhang mit seiner eigentlichen Erfindung, den beweglichen Buchstaben. Indem man eine geschmolzene Metalllegierung in entsprechende Formen goss, stellte man die Buchstaben des Alphabets her,
die dann zu Wörtern zusammengefügt werden konnten. Die so hergestellten Seiten wurden unter die Druckerpresse gelegt, und durch
den Druck wurde der Text auf ein Blatt Papier oder Pergament aufgeprägt. Es muss noch erwähnt werden, dass das Papier aus Lumpen,
das nach einem alten chinesischen Verfahren hergestellt wurde, sich
inzwischen in ganz Europa verbreitet hatte.
Die Auswirkungen der neuen Technik waren revolutionär, denn sie
erlaubte, Bücher in großer Zahl zu produzieren - es verbreitete sich
das Konzept der „Auflage“ - , zu Preisen, die weit unter denen der
mittelalterlichen Handschriften lagen. Die größere Verbreitung von
Büchern kam der wachsende kulturellen Nachfrage der Zeit entgegen.
Sie trug wesentlich dazu bei, dass sich in Europa der Humanismus,
die Renaissance und die Reformation, später die Aufklärung behaupteten, und dass sich die zahlreichen und vielseitigen Ideen unserer
Zeit verbreiten.
In den folgenden Jahrhunderten entwickelten sich die Druckereibetriebe immer weiter, bis schließlich die mechanischen Druckmaschinen durch die Computer- und Digitaltechnik ersetzt werden.
Auf diese Weise sind wir in unserer Epoche angekommen und haben
das schicksalsträchtige Jahr 1830 überschritten. Dieses Jahr wird von
den weltweit zuständigen Behörden (IFLA = International Federation of Librarian Association) als das Stichjahr für die Unterscheidung
zwischen altem und neuem Buch angegeben.
Die kürzlich gegründete Rotary Fellowship stellt ein Instrument dar,
anhand dessen man die Welt des alten Buches kennenlernen und die
Kenntnisse vertiefen kann. Dank dieses Vereins ist es möglich, Notizen und Informationen über Ausgaben, Buchdrucker, Einbände, Miniaturen / Buchmalerei, Kopien von besonderem historischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Interesse zu verbreiten. Damit
werden neue Horizonte geöffnet, auf ein Gebiet, das, zumindest bis
heute, nie Gegenstand von angemessenen und vertieften Studien gewesen ist.
Aldo Pirola
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